Kleines Kaufhaus kommt groß raus

Das Team vom kleinen Kaufhaus (v.l.): Marianne Schwill, Anita Meyer, Bernd Füser und Inge Orlowsky. Fotos: Vechtablogger
Swetlana Buchholz hat die Hände voll Babywäsche. Am Arm der 23-Jährigen baumelt ein Schulranzen. “Der kostet im Laden bestimmt über 100 Euro”, sagt die blonde Frau. Aber im kleinen Kaufhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in der Kronenstraße sind die Preise anders. 40 Euro verlangt das Kaufhaus für den nagelneuen Tornister. Eben schon hat sie ein Babybett ins Auto geladen – für 15 Euro. “Da hätten wir sonst lange für sparen müssen”, meint sie. Swetlana Buchholz ist mit ihrem zweiten im siebten Monat Kind schwanger, ihr Mann steckt noch in der Ausbildung. Da bleibt gerade genug Geld zum Leben.
Kein Arme-Leute-Laden

Mit Kundenkarte wird es günstiger: Swetlana Buchholz (l.) kauft schon zum zweiten Mal im kleinen Kaufhaus ein. Anita Meyer arbeitet ehrenamtlich hinter der Kasse.
Es sind solche Familien, die das Team von Bernd Füser seit Samstag erreichen möchte. Menschen, bei denen das Geld am Ende des Monats nicht reicht für ein paar neueKinderschuhe, ein neues Hemd oder eine Tischdecke. Aber auch Menschen, die nicht bedürftig sind, können im kleinen Kaufhaus Kunde werden. “Jeder ist willkommen”, betont Füser. Der SkF möchte so verhindern, dass das Geschäft ausschließlich als Arme-Leute-Laden wahrgenommen wird. Auch Bedürftige sollen sich als Kunden fühlen – nicht als Bittsteller.
Es ist hell in den Räumen, in denen einst eine finstere Kneipe zu finden war. Überall stehen Ständer mit Hosen, Jacken und Hemden. Eine Ecke steckt voller Kinderkleidung und Spielzeug. Sie stammen aus der Baby-Kleiderkammer in der Großen Straße, die der SkF geschlossen hat. In Vitrinen und auf Regalen steht Porzellan aus allen
Epochen und für jeden Geschmack – von den 70ern bis heute ist jeder Stil vertreten.
Rabatt für Bedürftige
Sozialhilfe-Empfänger, Geringverdiener, Bafög-Bezieher – wer ein besonders kleines Einkommen hat, bekommt beim SkF die Kundenkarte, mit der alles 30 Prozent billiger wird. Wobei von teuer sowieso keine Rede ist. “Die Preise sind ohnehin fast symbolisch” sagt Projektkoordinatorin Marianne Schwill. Drei Euro für einen Strampelanzug, ein Kinderkleidchen für 2,50 Euro, eine Bluse für zwei, eine Hose für vier und Schuhe für fünf Euro.
Mehr als 800 Kunden haben Samstag und Sonntag während des Frühlingsmarktes im kleinen Kaufhaus eingekauft. Das sieht Marianne Schwill als guten Erfolg, auch wenn sich das mit der Kundenkarte noch mehr herumsprechen müsse. Auch die Zahl der ehrenamtlichen Helfer sei überwältigend. Mehr als 40 hätten sich bereits zum Dienst im kleinen Kaufhaus gemeldet.
Endlich ein soziales Kaufhaus
Die Ware stammt ausschließlich aus Spenden. So hat auch eine 61-jährige Frau aus Vechta etwas beigesteuert. Jetzt kauft sie eine Tischdecke und zwei Handtücher. Ihren Namen möchte sie nicht sagen. “Es wird endlich Zeit, dass es ein soziales Kaufhaus in Vechta gibt”, findet sie. Die Nachfrage sei bestimmt gewaltig. So gibt es vielleicht doch mehr Menschen in Vechta, die am Existenzminium leben, als man glaubt.
Wart ihr auch schon im kleinen Kaufhaus und habt etwas gefunden? Schreibt eure Eindrücke!
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Eine gute Idee, von der alle Vechtaer etwas haben. Ich habe bereits etwas gekauft, möchte demnächst aber auch Kleider spenden. Ich hoffe für das Projekt auf viele Unterstützer und danke den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz.
Die Idee ” Das kleine Kaufhaus ” finde ich toll.
Ich möchte gerne gut erhaltene Kleidungsstücke, Spielsachen usw. spenden, weiß aber nicht woran ich mich wenden muss.
Ich würde mich freuen, wenn sie mir eine kurze Meldung schicken.
Danke!!
Rita Meyer
Das kleine Kaufhaus wird vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) betrieben. Weiteres unter diesem Link:
http://www.skf-vechta.de/images/bilder/pdf/soka%20flyer%201003.pdf