Türkischer Frisör rasiert Vechtablogger

5. Mai 2010
Von vechtablogger

So ganz geheuer ist mir das nicht, als ich mit Fotograf Matthias Niehues den Herrensalon von Mustafa Mihlar an der Großen Straße betrete. Drei Tage habe ich mich nicht rasiert. Jetzt will ich am eigenen Gesicht erfahren, wie es ist, sich vom türkischen Frisör rasieren zu lassen. Es duftet nach Seife. Im Fernsehen in der Ecke läuft der Nachrichtensender n-24. Der Chef des Salons “Charisma” sitzt in einer Ecke an einem Netbook-Computer. Mit einem Lächeln kommt er auf mich zu und bittet mich in den mittleren der drei weichen Kunstledersessel. Sohn Hakan (24) bringt dem Meister ein Gefäß. Es sieht aus wie eine Suppentasse. In der Tasse ist die weiße Rasierseife, die Mustafa jetzt anrührt.

Die türkische Methode

Dann holt der 46-Jährige einen roten Zwirn hervor und grinst. “Soll es wirklich die türkische Methode sein?”, will er von mir wissen. Klar, wenn ich schon eine Rasur beim türkischen Frisör ausprobiere, dann richtig. Hätte ich mal nicht so getönt…

Mustafa nimmt  eine Seite des Zwirns in den Mund, die andere Seite hält er zwischen den Händen. “Damit bekommen wir die weichen Haare oben an den Wangen weg”, erklärt er. Denn bis dahin dürfe man mit dem Messer nicht gehen – so die Tradition. Eine schmerzhafte: “Au, Au, Au”, rufe ich. Der Frisör zwirbelt mit dem Faden über meine Haut. Es zwickt heftig. Mustafa kann sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen.

Seit acht Jahren in Vechta

Nach gefühlten fünf Minuten ist er fertig. Das Schlimmste ist überstanden, versichert mir Mustafa. Vor acht Jahren kam der 46-Jährige aus der Millionenstadt Gaziantep nahe der syrischen Grenze mit seiner Frau und seinen acht Kindern nach Vechta. In Gaziantep hatte er lange einen Herrensalon. Gemischte Salons wie in Deutschland gibt es in der Türkei nicht, erklärt er, während er mein Gesicht mit dem Rasierpinsel einschäumt.

Scharfe Klinge: Der Frisör rasiert den Hals. Foto: Niehues/Advantage Photo

Scharfe Klinge: Der Frisör rasiert den Hals. Foto: Niehues/Advantage-Photo

Das Rasieren gehört in der Türkei noch zur Selbstverständlichkeit beim Frisör. Deutsche Figaros bieten das dagegen kaum noch an. 60 Prozent seiner Kunden seien Deutsche, versichert Mustafa. Rasieren ließe sich dagegen vorwiegend die türkische Kundschaft. Dazu kämen immer mehr, die sich Bilder und Symbole in die Bärte rasieren ließen. Aber darauf habe sich sein Sohn spezialisiert, der in Lohne einen Salon betreibt. Ein weiterer Sohn hat in Lohne eine Filiale von Charisma aufgemacht. Und Sohnemann Hakan arbeitet beim Vater im Salon. Eine echte Frisördynastie.

Der Problembart

Mustafa greift zum Rasiermesser. Ich muss kurz schlucken. “Hab keine Angst”, beruhigt er mich. Er zeigt mir das Messer, das eigentlich keins ist. Es ist vielmehr eine Halterung für eine Rasierklinge. Messer sind schon seit längerer Zeit in Deutschland verboten – wegen der Hygiene.

Ruhig kratzt er mit der Klinge den weichen Schaum aus meinem Gesicht. Das ziept nicht so wie sonst mit meinem Rasierer zu Hause. “Du hast einen schwierigen Bart”, bemerkt der Frisör. Die Haare würden nicht gleichmäßig in eine Richtung wachsen und seien sehr hart. Aber auch solche Problembärte bekommt Mustafa in den Griff. Schließlich ist er schon seit seinem elften Lebensjahr im Frisörhandwerk. Gleich nach der Grundschule hat er seine Lehre angefangen, erzählt er.

Hilfe, es brennt!

Hoffentlich weiß er dann auch, wie man mit Feuer umgeht, denke ich mir. Denn Mustafa holt eine kleine Ölfackel raus und zündet sie mit dem Feuerzeug an. “Das ist für die Haaren an den Ohren”, sagt er und wischt mit dem Feuer über mein Ohr. Ich zucke zusammen, obwohl es nur kurze, warme Stiche gibt. Es richt nach versengten Haaren. Wieder muss  Mustafa ein wenig lachen. “Da passiert nichts”, versichert er mir.

Das entspannt: Eine ordentliche Gesichtsmassage für den Vechtablogger. Foto: Niehues/Advantage Photo

Das entspannt: Eine ordentliche Gesichtsmassage für den Vechtablogger. Foto: Niehues/Advantage-Photo

Der Mann findet Haare an meinem Körper, von denen ich noch nie etwas gesehen habe. Ich bin erleichtert, als er mit dem Feuer an den Ohren fertig ist. Durch das Abfackeln würden die Haare an dieser Stelle erstens lange nicht wieder auftauchen. Und wenn, dann seien sie weiter weich – anders, als wenn man sie rasierte.

Zweimal pro Woche

Jetzt erstmal einen Schluck Tee. Der ehemalige Vorsitzende von Asyaspor hat mitlerweile neben mir Platz genommen. Er kommt einmal die Woche zur Rasur bei Mustafa. Das müsse einfach sein. Mehr als zweimal die Woche dürfe man sich ohnehin nicht vom Frisör rasieren lassen, räumt der Meister ein. Mehr wäre eine zu große Belastung für die Haut.

Mustafa greift zu einer Flasche und träufelt sich eine Flüssigkeit auf die Hände. Das ist… Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaauuuuuu! Rasierwasser mit viel Alkohol und Zitronenduft. Das ganze Gesicht brennt, als der Frisör das Zeug über mein Gesicht reibt. Nach drei Sekunden kühlt die Haut langsam ab und mich umgibt ein wohliges Gefühl im Gesicht. “Das schließt die Poren”, erklärt der Meister. Scheinbar als Ausgleich für die Qualen massiert er Creme in mein Gesicht ein. Hmmhhhh, das entspannt.  Mustafa und sein Sohn Hakan lächeln. Darauf noch einen Tee.

Die Qualen haben sich gelohnt. Selten habe ich mich so entspannt gefühlt. Heute, einen Tag nach meinem Besuch, ist die Haut noch immer schön glatt. Mustafa, ich komme wieder!

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6 Responses to “ Türkischer Frisör rasiert Vechtablogger ”

  1. Fossy on 5. Mai 2010 at 15:43

    Aalglatte Männerhaut: Das wird die Damenwelt freuen, Vechtablogger.

  2. Ralf on 6. Mai 2010 at 18:26

    Warum können wir uns nicht durchringen, uns diesen kleinen Luxus mal zu gönnen…

  3. Thomas on 7. September 2010 at 19:38

    quote
    Warum können wir uns nicht durchringen…
    /unquote

    Weil ich über Google hierher gekommen bin und einen guten Frisör, sowie Preise für´s Rasieren suche ;-)

  4. Harald on 14. Oktober 2010 at 12:29

    Eben..So wie ich

  5. Türkische Rasur jetzt als Video | Vechtablog on 16. November 2010 at 09:48

    [...] Und hier geht es zur Reportage über die Rasur. [...]

  6. BorussiaD on 30. November 2010 at 10:22

    Die Rasur sollte man sich schonmal gönnen, weil die Haut dannach Unvergleichbar weich ist.
    I <3 Ustura :)

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