Nordspange ist oft ein Umweg

14. Juni 2010
Von vechtablogger
Freie Fahrt: Von der Oyther Straße zweigt die Nordspange Richtung Oldenburg und Diepholz ab. Foto: Vechtablogger

Freie Fahrt: Von der Oyther Straße zweigt die Nordspange Richtung Oldenburg und Diepholz ab. Foto: Vechtablogger

Sie ist mehr als vier Kilometer lang, führt über vier Kreisverkehre und eine Ampel. Die neue Nordspange in Vechta soll nach zweijähriger Bauzeit und einigem Krach mit den Anwohnern Holzhausens die Innenstadt vom Verkehr entlasten.  7,8 Millionen Euro hat die Strecke gekostet.Davon hat 75 Prozent der Bund bezahlt.

Aber bedeutet die neue Strecke für Auto- und Lkw-Fahrer eine Entlastung – also einen Zeitvorteil? Der Vechtablogger hat eine Stichprobe gemacht und ist am Montagvormittag unterwegs gewesen – streng nach Vorschrift natürlich – und hat die Zeit gestoppt. Es herrschte relativ wenig Verkehr, sowohl auf den Umgehungsstraßen als auch in der Stadt.

Ausgangspunkt war der Kreisverkehr an der Landesstraße nach Goldenstedt, an den die neue Nordspange angebunden ist. Die Endpunkte bildeten die wichtigen Ausfallstraßen nach Diepholz, Lohne, Dinklage und Bakum, die jeweils mit der Umgehungsstraße (B69) kreuzen.

Diepholz:

7,1 Kilometer lang ist die Strecke vom Kreisverkehr durch die Stadt bis zur Einmündung der B69 Richtung Diepholz. Der Weg über die Nordspange und die Bundesstraße bis zur gleichen Stelle ist fast doppelt so lang (13 Kilometer). Auch die Fahrzeit ist im zweiten Fall zweieinhalb Minuten länger (11,45 Minuten gegenüber 9,15 Minuten).

Vechta hat jetzt eine Nordspange (schwarz dargestellt). Vom Startpunkt hat der Vechtablogger die Wege zum Anschluss Richtung Diepholz (a), Richtung Lohne (b), Richtung Dinklage (c) und Richtung Bakum (d) getestet - jeweils außen herum und durch die Stadt.

Vechta hat jetzt eine Nordspange (schwarz dargestellt). Vom Startpunkt hat der Vechtablogger die Wege zum Anschluss Richtung Diepholz (a), Richtung Lohne (b), Richtung Dinklage (c) und Richtung Bakum (d) getestet - jeweils außen herum und durch die Stadt.Quelle: Google Maps

Lohne:

Über die Norspange und die Bundesstraße dauert es 10.45 Minuten bis zur Einmündung Lohner Straße. Schneller geht es durch die Stadt mit einer Fahrzeit von 9,15 Minuten. Auch hier ist die Wegstrecke mit 11,5 Kilometer deutlich länger als durch Vechta (6,7 Kilometer).

Dinklage:

In Richtung Dinklage gibt es einen knappen Sieg für die Nordspange. Die Fahrzeit ist mit 10 Minuten (Länge 6,6 Kilometer) durch die Stadt etwas länger als über die Nordspange mit 9,15 Minuten (Länge 9,3 Kilometer).

Bakum:

Die einzige Variante im Test, in der sich die Nordspange wirklich lohnt. Nicht zuletzt liegt das wohl an der Baustelle Falkenrotter Straße. In 8,15 Minuten (7,8 Kilometer Länge) geht es über die neue Strecke bis Möbel Nemann. Die Innenstadt-Strecke dauert 10,20 Minuten (5,7 Kilometer).

Fazit:

Die Strecken durch die Stadt sind alle kürzer. Schneller sind sie meistens auch, wie die Stichproben gezeigt haben. Allerdings hat die Innenstadt mit mehr Ampeln ein höheres Nervpotenzial.

Stadtsprecher Herbert Fischer betont: ” Ziel der Nordtangente war nicht ausschließlich eine schnellere Anbingung, sondern vorrangig die Verkehrsentlastung der Innenstadt.” 

Aber: Wer fährt einen Umweg über die Nordspange, wenn er nicht wenigstens einen Zeitvorteil davon hat?

Besonders bei Lkw-Fahrern gilt oft: Zeit ist Geld. Und die Oyther Straße bleibt weiterhin für durchfahrende Lastwagen geöffnet, wie der Stadtsprecher auf Anfrage mitteilte. So können sich die Fahrer (bzw. deren Navigationsgeräte) die schnellste und kürzeste Route durch die Stadt aussuchen. An ein Durchfahrverbot sei bisher nicht gedacht.

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8 Responses to “ Nordspange ist oft ein Umweg ”

  1. Levent on 14. Juni 2010 at 16:11

    Und so wie ich die Stadt Vechta kenne, wird auch bald dort wieder eine Ampel nach der anderen aufgebaut. Wie auf der jetzigen Umgehungsstraße nach Diepholz, wo man morgens vorsteht und aus Lohne kaum Fahrzeuge kommen. Hier wäre ein Kreisverkehr angebracht. In Calveslage bei Big Dutchman gehört die Ampel nachts ausgeschaltet. Ist nichts los. Aber nein, die Ampel blockiert auch noch die Bundesstraße, obwohl niemand aufbiegen will. Es gehören viel mehr Kreisverkehre dort hin. Ausfallstraße Richtung Calveslage (bei BMW Menke). Ist so gut wie nie was los. Ampel könnte weg.

  2. Paule on 14. Juni 2010 at 18:49

    Also, ich finde die Nordspange super. Für die Firmen, für die Pendler und für die Leute, die weit draußen wohnen. Man muss nicht immer schnell ans Ziel kommen. Gut gemacht Stadt!!

  3. Maik on 14. Juni 2010 at 19:51

    Also ich komme ja aus Lutten und bin heute mal mit dem Rad da lang gefahren, und wirklich viel los ist da ja wirklich nicht auf der Nordtangente.
    Dazu, dass die Stadt die Oyther Straße offen lässt muss man ja mal anmerken, dass dies vielleicht Taktik ist, damit die Straße in den nächsten Jahren endgültig der größte Fleckenteppich in einer der reichsten Kleinstädte Deutschlands wird.
    Ich sehe bei der Nordspange außerdem ein Sicherheitsrisiko durch den Agrarverkehr, da auch viele Abfahrtswege direkt von Feldern auf die Straße münden und sich somit auf die Dauer die Nordspange nicht rentieren wird, da es einfach bessere Alternativen gibt:

    Wer aus Richtung Goldenstedt nach CLP / OL / A1 will, der fährt durch Lutten über Holtrup bis nach Langförden und nicht auf die Umgehungsstraße, dafür müsste diese Strecke für LKWs gesperrt werden.
    Und wer nach Lohne oder gar DH will, der fährt garantiert durch die Stadt direkt, oder den Innenstadtring, von der Oyther Straße auf die Ravensberger Straße bis zur Universität und dann auf die Driverstraße – Münsterstraße um die Innenstadt zu umfahren.

  4. Südoldenburger on 16. Juni 2010 at 10:11

    Die Nordspange mag ein Umweg sein, sie wird auf jeden Fall dazu dienen, Verkehr aus der Stadt zu nehmen. Wenn man sieht wie die Umgehenungsstraße angenommen wird, bin ich sicher, dass auch die Nordspange künftig gut angenommen wird. Beide Straßen bedeuten jetzt und in Zukunft für die Bürger unserer schönen Stadt eine spürbare Verbesserung der Wohnqualität. Ich finde dass eine Umgehungsstraße auch einen entsprechenden Radius haben muss. Nur so ist gewährleistet, dass die Stadt weiter planvoll wachsen kann.

  5. Tasilo on 16. Juni 2010 at 11:13

    Eine Umgehungsstraße muss “umgehen”, also einen Bogen um die Stadt machen. Trotzdem braucht sie einen sinnvollen Trassenverlauf. An dem lässt sich jetzt nichts mehr ändern.
    Wie nützlich die Straße tatsächlich ist, wird sich allerdings erst dann zeigen, wenn Auswärtige die Spange im Navi finden. Und das kann dauern.

  6. Steini on 23. Juni 2010 at 22:59

    also ich wohne direkt in Holzhausen(hab die Nordspange direkt vor der Haustür) und mir fällt nur auf,das morgens viele LKW fahren sowie hier und da mal ein Auto;-) also wirklich nix störendes! Es ist der selbe Verkehr wie vor Baubeginn.Frage mich wozu so viel Geld ausgegeben werden musste, wenn Oythe offen bleiben soll.

  7. Maik Asbrede on 30. Juli 2010 at 22:28

    @Steini

    Das ist halt die Logik unserer Stadtverwaltung (Wie kann man nur so beschränkt denken, eine Umgehungsstraße teuer zu bauen und dann aber trotzdem das Stadtgebiet weiter offen zu lassen? – von den Anliegenden Firmen mal abgesehen)

  8. [...] Schon im vergangenen Sommer kamen im Vechtablog Zweifel daran auf, ob die mehr als 7,5 Millionen Euro teure Nordspange Sinn macht, wenn gleichzeitig die Oyther Straße für den Schwerlastverkehr geöffnet bleibt. Zumal die Umgehung über Holzhausen auch zeitleich einen Umweg bedeutet (Nordspange ist oft ein Umweg). [...]

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