Jugendkongress ohne Jugend

17. Juni 2010
Von vechtablogger
Keine Jugendlichen beim Jugendkongress: Stadtjugendpflegerin Katrin Naber und Jugendamtsleiter Wilfried Völker sind enttäuscht. Foto: Vechtablogger

Keine Jugendlichen beim Jugendkongress: Stadtjugendpflegerin Katrin Naber und Jugendamtsleiter Wilfried Völker sind enttäuscht. Foto: Vechtablogger

Bürgermeister Uwe Bartels zeigte sich enttäuscht: Nicht ein Jugendlicher hatte am Donnerstagnachmittag den Weg ins Gulfhaus gefunden. Dort wollten die Politiker des Stadtrates beim ersten Jugendkongress in Vechta mit ihnen darüber diskutieren, wie sie an politischen Entscheidungen beteiligt werden können.

Guter Start vor einem Jahr

“Offenbar ist das Interesse an aktiver Beteiligung zur Kommunalpolitik begrenzt vorhanden”, versuchte der Bürgermeister eine Erklärung. “Wir sind richtig betrübt.” Vielleicht habe es auch am guten Wetter gelegen oder an der Fußball-WM? Oder steht in Vechta in Sachen Jugendpolitik alles zum Besten? Alle Beteiligten zeigten sich ratlos.

Dabei war alles gut los gegangen. Im vergangenen Jahr hatte eine Gruppe Jugendlicher als Teil des Stadtmarketing-Prozesses ein Modell entworfen, über das die Jugend beteiligt werden könnte. Es sieht vor, dass sich die Jugendlichen  in Stadtteilforen organisieren. Diese Foren könnten beispielsweise kleinere Veranstaltungen wie Konzerte oder Sportturniere auf die Beine stellen.

Vorbilder in anderen Städten

Aus den Stadtteilforen bildet sich dann ein Jugendbeirat – eine Art Parlament der Jugendlichen. Dieser Beirat tauscht sich mit dem Bürgermeister und dem Stadtrat über Jugendfragen aus. Vernetzt sein sollte dieser Beirat mit dem Präventionsrat, dem Haus der Jugend, dem Kreisschülerrat und anderen.  Die Ideen hatten sich die Jugendlichen in anderen Städten wie Goldenstedt, Wunstorf und Lingen geholt, berichete Stadtjugendpflegerin Katrin Naber.

Neuer Anlauf im Herbst

“Es ist verwunderlich, dass nicht einmal die Jugendlichen gekommen sind, die an dem Modell mitgearbeitet haben”, sagte Stadtjugendpflegerin  Naber. Sie hatte den Nachmittag organisiert. Nach den Sommerferien soll es einen neuen Anlauf geben, die Jugendlichen am politischen Prozess zu beteiligen. Bartels betonte: “Wir lassen uns nicht entmutigen.”

Hier geht es zum Jugendbeteiligungsmodell für Vechta. (PDF-Datei)

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8 Responses to “ Jugendkongress ohne Jugend ”

  1. René Jalaß on 17. Juni 2010 at 23:20

    Zitat: “Dieser Beirat tauscht sich mit dem Bürgermeister und dem Stadtrat über Jugendfragen aus.”

    Das klingt nach einer Alibifunktion. Wie wäre es anstelle der Stadtteilforen und des gemeinsamen Plauschs mit dem BM und den SRen, mit einem gewählten Jugendparlament mit Rede- und Einbringungsrecht im Stadtrat? Gewählte würde in den Schulen, die jeweils eine bestimmte Zahl an VertreterInnen (vielleicht ab 14 Jahren) entsenden könnten.

    Es ist Tatsache, dass die Politikverdrossenheit in der Jugend manifest ist. Mit einer fundierten und ernsten Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeit, könnte dieser Umstand aufgebrochen werden.

    Aber lediglich über Gesprächsrunden und (im Kontext immer tiefer sinkender Kommunalfinanzen eher erschwerte,) selbstorganisierte Konzerte wird sich schwerlich etwas ändern.

    • vechtablogger on 18. Juni 2010 at 13:23

      Hallo René,
      ich habe das Modell jetzt als PDF bekommen. Am Ende des Artikels findet ihr jetzt einen Link dazu.

  2. René Jalaß on 19. Juni 2010 at 10:04

    Danke für die Visualisierung. Es ist eben, wie befürchtet: Die Ernsthaftigkeit der Wahrnahme jugendlicher Gestaltungswünsche lässt zu Wünschen übrig. Die Vernetzungen bspw. mit einem Präventionsrat oder einem Kreisschülerrat sind schätzenswert.

    Doch ein “regelmäßiger Austausch” ist KEIN klar umrissenes Einbringungsrecht der Jugend. Und da liegt meiner Meinung nach der Fehler. Wie will man die jungen Menschen zu mehr Initiative ermuntern, wenn man ihnen einen Kaffee in Aussicht stellt, aber keine klaren Rechte gegenüber den EntscheidungsträgerInnen in der Stadt? Es bleibt dabei: Es gibt Städte, in denen Jugendparlamente gewählt und mit Rederechten oder Antragsrechten in Stadtratsversammlungen ausgestattet werden. Es bedarf dessen doch nicht viel, aber es bewirkt eine ernsthafte Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben.

    Hier sollte nachgebessert werden. Wer die Jugend in die Politik einbinden will UND wer dies ERNSTHAFT will, sollte ihr auch ordnungsgemäßge und aktive Einmischung zutrauen.

    Der aktuelle Vorschlag ist lediglich ein weichgespültes Alibi, um später gegen die Jugend Beschwerde zu führen…

    Schade…

  3. Maik on 19. Juni 2010 at 15:56

    Da sieht man doch, dass in Vechta was falsch läuft !
    Normalerweise müssten die Lehrer die Schüler auch motivieren.

    Was ich ja schade fand, dass nur Lgf und Vec dazu eingeladen war, aber nicht Lutten, denn es gibt wohl kein Dorf im Landkreis, welches so großen Bezug zu Vechta hat.
    Als Lutter ist man eigentlich jeden Tag in Vechta.
    Wären Lutter Jugendliche zugelassen worden, wäre ich gerne dabei gewesen. :(

  4. Tasilo on 20. Juni 2010 at 21:44

    Auch ich halte die Idee für eine Alibi-Nummer. Wobei: Die Mehrheit der Dinge, die Jugendliche und Erwachsene fordern, liegen nicht in der Entscheidungskompetenz eines Stadtrates. So gesehen: Über was würde in dem Gremium geredet?!

  5. René Jalaß on 22. Juni 2010 at 18:27

    Jugendarbeit oder jugendspezifische Themenfelder sind zu einem großen Teil genuine Aufgaben einer Kommune. Letztlich fließen finanzielle Mittel aus Bund und Land der Stadt zu, die dann (leider zum großen Teil) in sog. “freiwilligen” Aufgaben Sport, Kultur und Soziales bereithält. Darüber entscheidet selbstverständlich ein Stadtrat, als gewähltes, bürgervertretendes Gremium. Und trotz eines Geburtenknicks oder einer fortwährenden Überalterung der Gesellschaft, werden Jugendliche nur in den seltensten Fällen dieser “Bürgervertretung” vertreten. Als wären sie gar nicht da oder müssten als unmündiges Anhängsel finanzernährt werden. Das sind historisch bedingte, manifeste Ansichten, die nicht mehr zeitgemäß sind. Und nun bestünde die theoretische Chance ehrlich und aufgeschlossen der Jugend entgegen zu kommen – und man versenkt sie in Scheinpartizipation!

  6. Anonym on 22. Juni 2010 at 19:07

    Ich als Jugendlich kann sagen, dass ich nichts über diese (tolle) Aktion mitbekommen haben! Klar, als ich den Artikel gelesen habe, sind mir die Plakate an unserer Schule dann doch aufgefallen. Es ist ja toll, Plakate und Flyer zu verteilen, jedoch bringt es nichts, wenn keiner genau weiß, worum es geht.
    Effektiver wäre es vielleicht, die Schulen bzw. die Lehrer darauf anzusprechen, die sich dann an die Jugendlichen wenden könnten.

    Aktion bitte unbedingt weiterführen ! :)

  7. [...] Dort ging es darum, dass sich die Stadtverwaltung ganz dolle wünschte, dass sich die Jugend mehr einmischt. Und so kam es, dass eine Gruppe Jugendlicher unter dem Motto „Stadtmarketing“ etwas entwickelten, dass (politische) Teilhabe generiert. Teilhabe der Jugend. [...]

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