Nett oder fehl am Platz? Das Südoldenburger Du

5. Juli 2010
Von vechtablogger
Duzen oder Siezen? Benimmberaterin Susanne Dorka findet: Geschäftlich sollte es beim Sie bleiben - auch in Südoldenburg. Foto: privat

Duzen oder Siezen? Benimmberaterin Susanne Dorka findet: Geschäftlich sollte es in der Regel beim Sie bleiben - auch in Südoldenburg. Foto: privat

Neulich in einer Bäckerei in Vechta: Ich bestelle bei der ungefähr 19-jährigen Bäckereifachverkäuferin ein Weißbrot. “Willst du es geschnitten haben?”, fragt sie mich. Ich stutze. Nicht, weil ich meine, Brote in der Bäckerei schneiden zu lassen, sei eine  Sünde.  “Soll ich dir das Brot schneiden?”, wiederholt sie. “Ähh ja, das wäre nett von – ähhhh – dir, ich meine von Ihnen.”

Verdutzt vor lauter Duzern

Das Südoldenburger Du: Als ich vor sechs Jahren aus der kleinsten Großstadt Deutschlands (Hildesheim) nach Vechta kam, war ich verdutzt, wer einen alles so duzt. Mit über 30 sehe ich zwar noch immer irgendwie jugendlich aus, aber so jung dann auch wieder nicht, dachte ich damals.

Auch jetzt noch fühle ich mich manchmal merkwürdig, wenn mich ein deutlich jüngerer Mensch, der mich noch nie im Leben vorher gesehen hat, mit Du anspricht. Wie am Freitag ein vermutlich 17-jähriger Verkäufer im Getränkemarkt. Bei gleich alten oder älteren Menschen ist das irgendwie anders – wobei mir das auch nicht bei jedem gefällt.

Obwohl ich ja mittlerweile weiß, dass das Duzen mit fehlendem Respekt nichts zu tun hat, sondern mit dem Plattdeutschen – eine Sprache in der es wie im Englischen kein Sie gibt. Und dass wir auf dem Land sind, und die Umgangsformen hier vielleicht lockerer als in der Stadt sind. Aber wie soll ich reagieren? In geschäftlichen Situationen klingt ein Du doch schnell völlig unangebracht.

Geschäftlich besser beim Sie bleiben

Ein Anruf bei Frau Dorka wird Abhilfe schaffen. Susanne Dorka ist Benimm-Trainerin und kennt sich mit dem Umgangsformen blendend aus. Sie rät, was ich eigentlich nicht hören will: Eine goldene Regel gibt es nicht, es kommt auf den Einzelfall an.

Aber im Zweifel: “Bleiben Sie geschäftlich am besten beim Sie, auch wenn der Gegenüber Sie duzt. Sollte Ihnen das unangenehm werden, sprechen Sie es offen an und Bitten darum gesiezt zu werden”, schlägt die  Expertin vor. Oft würde der Gegenüber aber schon vorher das Duzen beenden, wenn er merkt, dass der andere beim Sie bleibt.

Und was ist mit der jungen Duz-Bäckerin? Die Benimmberaterin schmunzelt. “Freuen Sie sich, dass Sie noch für so jugendlich gehalten werden.”

Was sind eure/Ihre Erfahrungen mit dem Südoldenburger Du?

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5 Responses to “ Nett oder fehl am Platz? Das Südoldenburger Du ”

  1. Maik on 5. Juli 2010 at 11:32

    Also ich finde, dass dieses Duzen eine tolle Eigenschaft der Leute hier ist. Alles wirkt so viel netter und freundlicher.

    Geduzt werde ich sowieso von (fast) jedem, egal ob ich einkaufe, im StadtBus beim Busfahrer ein Ticket kaufe oder sonstwas, das liegt ja vermutlich auch an meinem “zarten” Alter von 16 Jahren :-) .

    Geschäftlich finde ich allerdings Siezen auch besser, da Duzen irgendwie schon unangebracht ist….

  2. Tasilo on 5. Juli 2010 at 14:32

    Ich möchte nicht von jedem geduzt werden. Daher sieze ich dann zurück.
    Besonders schlimm finde ich es allerdings bei IKEA.

  3. Haake on 5. Juli 2010 at 20:27

    Das mit dem Duzen ist mir auch schon aufgefallen, und zwar an mir selbst: in meinem Studienort habe ich sehr schnell geduzt – zur “Verwunderung” meiner Gesprächspartner. Ich fänd’s am Besten wir würden plattdeutsch sprechen, dann gäb’s das Problem erst gar nicht (zumindest im südoldenburger Platt).

  4. Südoldenburger on 16. Juli 2010 at 17:02

    Du “A……..” oder Sie “A…………” – das ist hier der kleine Unterschied. -:)))

  5. Susanne dorka | Ponderandpray on 24. Juli 2012 at 22:14

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