Vechtaer gedenken der Familie Bloch

9. November 2010
Von vechtablogger
Gunter Demnig verlegt die fünf Stolpersteine für die Familie Bloch. Foto: Vechtablogger

Gunter Demnig verlegt die fünf Stolpersteine für die Familie Bloch. Foto: Vechtablogger

Fünf goldene Steine vor dem Engbers-Ladenlokal in der Großen Straße erinnern daran, dass auch in Vechta während der Nazi-Zeit Juden deportiert wurden. Am Jahrestag der Pogrome gegen Juden in ganz Deutschland am 9. November 1939 (von den Nazis menschenverachtend Reichskristallnacht genannt) gedachte die Stadt mit dem Künstler Gunter Demnig der Grundschule Hagen und dem Gymnasium ULF der Familie Bloch.

Die vier Schwestern wurden nach einer Zwischenstation in Bremen 1941 deportiert und ein Jahr danach ermordet.  Daran erinnern jetzt die quadratischen Stolpersteine, die Demnig am Dienstag in das Pflaster der Großen Straße setzte. Sie sind nicht größer als ein Pflasterstein und sollen doch zum Nachdenken anregen.

Wohlhabende, angesehene Bürger

Die Blochs hatten eine Textilgeschäft in der Großen Straße, die damals Adolf-Hitler-Straße hieß. Die fünf Schwestern Johanna, Sara, Helena, Meta und Dora waren wohlhabend und in der Stadt angesehen -  bis die Nationalsozialisten 1933 an die Regierung kamen.

Daran erinnerten am Dienstag die Redner bei einer Gedenkfeier. So etwas Anneliese Wilke, die 1939 mit ihren Eltern auf der gegenüberliegenden Seite der Straße wohnte. Sie erinnert sich, wie am Tag nach der Pogromnacht die Schaufensterscheibe zersplittert auf der Straße lag, drumerherum überall Stoffrollen.

Die fünf Stolpersteine auf der Großen Straße erinnern an die jüdische Familie Bloch. Foto: Vechtablogger

Die fünf Stolpersteine auf der Großen Straße erinnern an die jüdische Familie Bloch. Foto: Vechtablogger

Schwestern hoffen auf besseres Leben

Nach dieser Nacht mussten die vier Schwestern (Johanna war zwei Jahre vorher gestorben) Vechta verlassen. Sie kamen bei ihrem Bruder in Bremen unter und lebten fortan unter ärmlichen Verhältnissen, berichtet die Zeitzeugin. “Wir haben sie in Bremen besucht und ihnen Brot und Kartoffeln mitgebracht.” Die Frauen hätten grüne Säckchen genäht, damit sie dort Saatgut für die neuen Siedlungsgebiete im Osten reinpacken könnten. “Das hat man ihnen erzählt, und das haben sie wirklich geglaubt”, erzählt Wilke. 1941 wurden sie deportiert. Ein Jahr später starben sie in einem Vernichtungslager.

Hier seht ihr noch mehr Fotos von der Gedenkfeier. Sind Stolpersteine eine angemessene Erinnerung an den Völkermord an den Juden? Schreibt es in die Kommentare.

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5 Responses to “ Vechtaer gedenken der Familie Bloch ”

  1. Maik Asbrede on 9. November 2010 at 20:23

    Für Vechta finde ich Stolpersteine eine angemessene Erinnerung an den Völkermord an den Juden.
    Ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte, aber uns bleibt nur, dass wir versuchen müssen, es besser zu machen und so etwas nie wieder geschehen zu lassen.

  2. Tasilo on 10. November 2010 at 15:21

    Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Es soll ja bereits Stolpersteine in Vechta geben – aber ich weiß gar nicht genau wo. Das zeigt doch, dass die Steine nicht genug auffallen. Ich ein paar Tagen hat jeder die Familie Bloch wieder vergessen. Und in ein paar Jahren, wenn alle Zeitzeugen tot sind, wird es noch viel einfacher sein, die Vergangenheit zu ignorieren.
    Ich glaube, man braucht vor allem gute Geschichtslehrer, die das Thema in der Schule spannend vermitteln. Das ist die Hauptsache.

  3. Maik Asbrede on 10. November 2010 at 21:22

    Die guten Geschichtslehrerhaben wir, das kann ich beruhigt sagen, zumindest am Gymnasium Antonianum, welches ich besuche.

    • Tasilo on 11. November 2010 at 13:01

      Freut mich. Wenn sie ihre Arbeit gut machen, wirst Du Dir viel merken. Dann trittst Du vielleicht auf diese Steine; aber Du weißt trotzdem, wie Du Phänomene Deiner Zeit beurteilen kannst.

  4. Elisabeth on 14. November 2010 at 12:42

    Ich habe mit meiner Klasse an dieser “Veranstaltung” teilgenommen. Die meisten fanden diese “blöd” oder “unnötig”. Ich finde aber, das es sich sehr gelohnt hat. Wir nehmen im moment im Geschichts-Unterricht das Thema “Menschen mit dem gelben Stern” durch. Ich kann nicht verstehen, wie meine Klassenkameraden über so ein Thema lachen können. Dieses Thema darf nicht in Vergessenheit geraten, sonst geschieht diese Katastrophe noch einmal. Das müssen wir ernst nehmen und vermeiden!
    Die Stolpersteinverlegung hat mir sehr geholfen nocheinmal richtig über die Deportation und das Schicksal der Menschen (die eigentlich genauso sind wie wir) nachzudenken.

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