Wahlkämpfer laufen sich noch warm

27. Januar 2011
Von vechtablogger
Die Studenten Erik Kersten, Jenny Schettler, Marie-Franziska Schliephake und Christoph Müller (vorne v.l.) haben bitten die Vechtaer Politiker Claus Dalinghaus (CDU), Enno Götze-Taske (SPD), Frank Hölzen (Wir für Vechta), Jürgen Langfermann (FDP), Jürgen Hillen (Grüne) und Markus Schalk (Linke) zum Schlagabtausch

Die Studenten Erik Kersten, Jenny Schettler, Marie-Franziska Schliephake und Christoph Müller (vorne v.l.) haben bitten die Vechtaer Politiker Claus Dalinghaus (CDU; v.l.), Enno Götze-Taske (SPD), Frank Hölzen (Wir für Vechta), Johannes Langfermann (FDP), Jürgen Hillen (Grüne) und Markus Schalk (Linke) zum Schlagabtausch. Foto: Vechtablogger

Ein richtiger Schlagabtausch sieht anders aus. Die erste von Studenten der Uni Vechta organisierte Diskussion am Mittwoch in der Gaststätte Sextro zur Kommunalwahl im Herbst lässt noch Luft nach oben. Vielfach waren die Unterschiede zwischen den Parteien kaum erkennbar. Nur beim Thema Entlastungsstraße Vechta-West flammte so etwas wie eine Diskussion auf. An den Studenten lag es nicht. Sie haben den Abend gut moderiert.

Für Familien und Unternehmen habe die CDU in Vechta viel erreicht, streicht Christdemokrat Claus Dalinghaus heraus. Dem Fraktionschef der CDU im Stadtrat werden Ambitionen nachgesagt, als Bürgermeisterkandidat in die Wahl gehen zu wollen.

Die Familienfreundlichkeit Vechtas zweifelt FDP-Vertreter Johannes Langfermann an. Er hält Kindergartenzeiten von 8 bis 16 Uhr nicht für ausreichend bei Familien, in denen beide Eltern Vollzeit arbeiten. Markus Schalk von den Linken fordert, mehr sozialen Wohnraum zu schaffen. “Die kommunale Wohnungsgesellschaft hat derzeit nur zwei Angebote”, kritisiert er.

Einigkeit fast überall

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende, Enno Götze-Taske, freut sich darüber, dass so viele Entscheidungen im Rat einstimmig getroffen werden. Ähnlich sieht das Wir-für-Vechta-Vertreter Frank Hölzen. Er nutzt freilich die Diskussion, um den Sinn der Entlastungsstraße Vechta-West anzuzweifeln. Nicht neu, aber wenigstens sorgt das für etwas Zündstoff.

Hölzen fordert mehr Bürgerbeteiligung. Das findet auch Jürgen Hillen von den Grünen, der damit auch das ehrenamtliche Engagement der Bürger für ein Projekt meint. Das müsse mehr gefördert werden. Hillen schlägt eine Ratssitzung vor, die quasi nur aus Bürgerfragestunde besteht.

CDU hält Bürgerbeteiligung für ausreichend

Dalinghaus kontert: “Die Gemeindeordnung sieht Bürgerbeteiligung vor”, betont er. Zum Beispiel habe jeder das Recht, seine Stellungnahme zu einem Bebauungsplan abzugeben. Auch in Ratssitzungen könnten sich Bürger zu Wort melden. Und wem das nicht reiche, der solle sich für eine Partei zur Stadtratswahl aufstellen lassen.

Wiederholung im Frühjahr

Vier Studenten der Sozialwissenschaften – Christoph Müller, Marie Franziska Schliephake, Jenny Schettler und Erik Kersten – haben sich als Seminararbeit mit dem Thema Kommunalwahlen befasst. Sie waren auf die Straße gegangen und haben die Vechtaer nach den drängendsten Problemen befragt (siehe: Studenten laden zum Wahlforum) . Anschließend haben sie zu  der Diskussionsrunde eingeladen. Rund 40 Vechtaer waren der Einladung gefolgt, darunter etliche Studenten und  eine zehnköpfige Abordnung der Jungen Union.

Dozent Martin Schwarz glaubt, dass sich das Vechtaer Parteiengefüge bei dieser Wahl  verschieben werde. Dafür würden die vielen hier wahlberechtigten Studenten sorgen. Im Frühjahr möchte der Politikwissenschaftler eine weitere Veranstaltung von Studenten organisieren lassen.Dann sind die Politiker hoffentlich auf Wahlkampf gestimmt und erklären den Wählern, warum ihre Partei die beste Wahl ist.

Was sind für euch die Themen des kommenden Wahlkampfes? Beachtet auch die Umfrage dazu in der rechten Leiste!

Siehe dazu auch: Parteien bieten Kümmerliches im Web

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7 Responses to “ Wahlkämpfer laufen sich noch warm ”

  1. Tasilo on 27. Januar 2011 at 14:08

    Vielleicht geht es nur mir so, aber allein wie stolz alle die Einigkeit im Rat beschwören, regt mich auf. Damit sagen die Parteien und Gruppen dem Wähler doch direkt ins Gesicht: ‘Es ist egal, was Du wählst. Mach Dein Kreuz ruhig bei den Anderen, es kommt ohnehin alles, wie es soll.’ Das motiviert niemanden. Ich muss die Unterschiede kennen, um mich zu entscheiden, nicht die Gemeinsamkeiten.
    Und ‘Wir für Vechta’ ist nur ‘Wir gegen die Entlastungsstraße’. Das reicht mir nicht.

    • Johannes Langfermann on 16. Februar 2011 at 08:55

      Lieber “Tasilo”, ein wenig muß ich Ihnen widersprechen. Sie dürfen nie vergessen: was in der Zeitung (oder im Internet) steht muß nicht immer deckungsgleich mit den tatsächlichen Gegebenheiten sein. Ich habe mir Mühe gegeben, die Mehrheitsfraktion eben nicht mit ihrem ewigen Eigenlob davonkommen zu lassen, sondern habe viele Dinge offen und mit wenig Zurückhaltung kritisiert: Klüngelei hinter verschlossenen Türen, sogenannte “nicht öffentliche Sitzungen”, fragwürde Ausgaben im 6stelligen Bereich etc. pp. Allein, die Berichterstattung in den Medien orientiert sich zuweilen nicht an Qualität oder Inhalt der Diskussionsbeiträge, sondern auch gerne mal etwas oberflächlich an der Quantität – in der OV heißt das dann “das Maß der Berichterstattung spiegelt die Wahlergebnisse wider: kleine Partei => wenige Beiträge (gar keine?), große Partei => viele Beiträge…”. Wenn Ihnen das nicht reicht, wie Sie sagen, bleibt Ihnen als einzige (und meines Erachtens beste!) Möglichkeit, jede Chance zu nutzen, um die für Sie in Frage kommenden Kandidaten persönlich anzusprechen um herauszufinden, wie groß die Übereinstimmung an Meinungen und Ansichten ist, um die Chance zu maximieren, sich selbst in der auf die Wahl folgenden Legislaturperiode gut vertreten zu fühlen. Das geht bei einer Kommunalwahl ohnehin besser als z.B. bei der Europa-Wahl. Aber wie “Südoldenburger” schon feststellt: “wer hat dafür noch Zeit und Lust”…. Mein Motto: Wenn keiner was sagt, ändert sich nix!

  2. Daniel on 28. Januar 2011 at 18:34

    Tasilo, besser hätte ich es nicht formulieren können!
    Für mich gibt es zu wenig Transparenz.

    (shit happens, Vechta is black)

  3. südoldenburger on 28. Januar 2011 at 19:02

    Es wird auch keinen “Wahlkampf” geben. Allenfalls ein leichtes Gesäusel.

    Dabei gibt es Stoff genug im Ländle, um den sich zu kämpfen lohnt.

    Die Dinge werden auch hier von Menschen (Feierabendpolitikern) gemacht und wir Kritiker sollten uns vielleicht bei der einen oder anderen Partei einbringen.

    Aber wer hat dazu Lust und auch noch die Zeit?

    • vechtablogger on 31. Januar 2011 at 09:48

      Südoldenburger, was sind denn die Themen, um die es sich zu kämpfen lohnt?

    • Johannes Langfermann on 16. Februar 2011 at 08:43

      Lieber “Südoldenburger”,
      Sie haben ganz recht, Kommunalpolitik wird von “Feierabendpolitikern” gemacht – also Menschen, die sich nebenbei und vor allem unentgeltlich einsetzen. Sie stellen sich selber die Frage “wer hat dazu noch Lust und auch noch die Zeit?”. Hierzu möchte ich Ihnen in aller Deutlichkeit sagen: Wenn Sie keine Zeit und keine Lust haben, sich einzubringen, sondern mit dem Kreuz alle 5 Jahre zufrieden sind, dann bekommen Sie genau die Vertreter im Rat der Stadt, die wir jetzt auch schon haben. Vielleicht sind das ja auch genau die, die Sie verdienen? Es steht Ihnen frei, sich jederzeit einzubringen – und das muß gar nicht in Form von großartigen Beteiligungsmodellen geschehen, Sie könnten als erstes Mal Lob und Kritik an die jetzigen Ratsvertreter herantragen – oder aber auch die, die es am 11. September werden wollen. Angesichts von fast 70% CDU-Anteil mag man sicher den Eindruck gewinnen, “es nützt ja doch nichts” – aber wer es nicht zumindest versucht, kann auch gleich zu Hause bleiben und sich einfach nur regieren lassen…. An die Frage von “Vechtablogger” knüpfe ich an: wofür lohnt es sich denn, zu kämpfen?

      • südoldenburger on 16. Februar 2011 at 17:28

        Hallo Johannes,

        Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlachter selber (W. Busch). So ist das auch hier und jetzt.

        In der CDU-Lokalpolitik mitzumischen verbietet sich bei den Akteuren, die aktuell am Ruder sind. Wie man menschlich mit dem Kandidaten Claus Dalinghaus, auch in der OV, umspringt, ist erbärmlich. Anständig und christlich ist es sicher nicht.

        Ich hoffe, dass ein glücklicher Stern dafür sorgt, dass dem wahrscheinlichen Kandidaten H. Gels ein kompetenten – freier – Kandidat für die Bürgermeisterwahl gegenübersteht. Das dieser dann, wie schon einmal, glorreicher Sieger wird – dafür lohnt es sich dann zu kämpfen.

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