Das lange Warten auf die Bombe

8. Februar 2011
Von vechtablogger
Familie Peil hat wegen der Bombenräumung im Evakuierungszentrum Kolpingsaal eine Bleibe für den Tag gefunden. Foto: Vechtablogger

Familie Peil hat wegen der Bombenräumung im Evakuierungszentrum Kolpingsaal eine Bleibe für den Tag gefunden. Foto: Vechtablogger

Geschlagene vier Stunden sitzt Familie Peil jetzt im Kolpingsaal. Der ist wegen des Bombenfundes in Vechta-West das Evakuierungszentrum. Ganze Straßenzüge mussten am Morgen geräumt werden, damit die Entschärfung der Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die erst am Nachmittag vorher gefunen wurde, vonstatten gehen konnte.

Olga Peil hat ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Ob die Fenster eine Druckwelle durch eine mögliche Explosion standhalten? Ihr Haus liegt in der Athener Straße, mitten im Evakuierungsradius. “Der Kindergarten hat gestern abend angerufen und uns Bescheid gesagt”, erzählt Olga Peil. Am Morgen hat Sie ihre drei Kinder eingepackt, dazu etwas Obst und Süßigkeiten und ist mit den Schwiegereltern Erna und Viktor zunächst zum Schulzentrum Süd gefahren. “Man sagte uns, dass dort eine Unterkunft  eingerichtet ist”, berichtet Olga Peil. Aber das stimmte nicht. Die Schule schickte sie schließlich ins Kolpinghaus.

Dort hat Wirt Willi Südkamp schnell den Saal hergerichtet und auf Kosten der Stadt Vechta ein Frühstücksbüffet aufgebaut. Es gibt Brötchen mit Mett, Wurst, Käse und Marmelade, Butterkuchen, Tee und Kaffee. Auch der Kolpingwirt wusste erst seit dem Vorabend davon, dass er neben dem Moorbachhof ein Evakuierungszentrum stellt.

Unerwarteter Gastgeber: Willi Südkamp stellt im Kolpingsaal eins von zwei Evakuierungszentren. Foto: Vechtablogger

Unerwarteter Gastgeber: Willi Südkamp stellt im Kolpingsaal eins von zwei Evakuierungszentren. Foto: Vechtablogger

Der Ansturm hält sich in Grenzen. Rund 50 Menschen seien an diesem Vormittag da gewesen.  “Die Medienvertreter waren in der Mehrzahl”, scherzt Südkamp. Nicht alle Bewohner hätten bereits am Vorabend von ihrem Pech erfahren, hat der Wirt aus Gesprächen herausgehört. Viele der Besucher seien heute früh von der Feuerwehr aus dem Bett geschmissen worden.

Die Stadt Vechta hatte gestern Abend eine Presseinformation herausgegeben und sie auch bei Facebook verbreitet. Die Räumung wurde im Radio durchgesagt. Geschäftsbesitzer wurden von der Polizei am Abend aufgefordert, ihre Läden am nächsten Morgen nicht zu öffnen.

Zurück ins Kolpinghaus: Besonders den älteren Kindern von Olga Peil (3 und 6 Jahre) ist ob des stundenlangen Wartens langweilig. Töchterchen Leonie sitzt dagegen auf Mamas Arm und lässt die ungewohnte Situation stoisch über sich ergehen. “Es wird schon alles gut gehen”, meint Schwiegermutter Erna Peil. “Die Feuerwehr passt schon auf.”

Wie habt ihr die Evakuierung erlebt? Wie bewertet ihr das Krisenmanagement der Stadt?

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6 Responses to “ Das lange Warten auf die Bombe ”

  1. Tim on 8. Februar 2011 at 12:56

    Ganz ehrlich? Wieso sollte das Krisenmanagement schlecht sein? Die Bombe wurde doch gestern erst gefunden! Dann muss man natürlich schnell handeln. Und jeden einzelnen Bürger abends vorher persönlich anzusprechen würde in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen! Die notwendigen Maßnahmen wurden eingeleitet. Ich denke, die Stadt hat sehr gut gehandelt und alles getan, um die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten – und das ist es im Endeffekt auch, worauf es ankommt!

  2. Maik Asbrede on 8. Februar 2011 at 14:06

    Gutes Krisenmanagement – Lob an die Stadt !

    Ein Dienstagvormittag ist doch einer der besten Zeitpunkte für sowas – Viele Erwachsene sind auf der Arbeit und die Schüler alle in den Schulen, die nicht im Radius liegen (v. d. Grundschule West mal abgesehen).
    Und jetzt am Nachmittag können alle wieder nach Hause – Wirklich gut gemacht.

  3. Tasilo on 8. Februar 2011 at 15:27

    Ganz ehrlich, Tim: Wer hat denn gesagt, dass das Krisenmanagement schlecht war? Es hat auch keiner gesagt, dass die Bürger alle persönlich von der Stadt angerufen werden müssen. Aber wenn nun mal Leute überrascht waren … dann ist das eben so. Fertig.

    Und ganz ehrlich, Maik: Man muss auch nicht immer so mit dem Lob auf die Stadt übertreiben. Es lief gut, weil das Ding schnell entschärft werden konnte. Glück gehört wie immer im Leben dazu.

  4. Tim on 8. Februar 2011 at 19:44

    @Tasilo: der vorliegende Artikel ist schon eher in die Richtung geschrieben. Es hat keiner gesagt, dass die Bürger persönlich angerufen werden müssen, aber das ist die logische Folgerung, wenn man den Artikel daraufhin abzielt. Zitat:

    “Nicht alle Bewohner hätten bereits am Vorabend von ihrem Pech erfahren, hat der Wirt aus Gesprächen herausgehört. Viele der Besucher seien heute früh von der Feuerwehr aus dem Bett geschmissen worden.”

    • Tasilo on 10. Februar 2011 at 11:08

      Ein Schelm, wer böses dabei denkt!?
      Demnächst ist schon die Existenz eines Berichtes tendenziös.

      • Tim on 11. Februar 2011 at 01:26

        Da is aber einer sensibel. Tut mir Leid, war nicht so gewollt! Und das allein die Existenz eines Berichtes tendenziös ist,ist mir neu! Aber sicherlich hast du dir dazu Gedanken gemacht…

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