Die Volkszählerin

10. Mai 2011
Von vechtablogger
46 Fragen hat Helga Gellhaus dabei. Nach zehn Minuten pro Nase soll alles vorbei sein. Foto: Vechtablogger

46 Fragen hat Helga Gellhaus dabei. Nach zehn Minuten pro Nase soll alles vorbei sein. Foto: Vechtablogger

Sie heißt Helga Gellhaus und ist 48 Jahre alt. 35 Haushalte in Vechta bekommen in den kommenden Tagen Besuch von Frau Gellhaus. Sie hat den Fragebogen für die Volkszählung in der Tasche und lässt sich nicht so leicht abwimmeln.

Heute Mittag war sie bei Christa, unserer Tagesmutter. Ein Vier-Personen-Haushalt. Also füllt Helga Gellhaus vier Bögen mit bis zu 46 Fragen aus. Wie alt? Wohnort? Verheiratet, verwitwet, ledig? Schüler, Student, Auszubildender, Arbeiter, Angestellter? Branche? Zugewandert?

Immer freundlich sein

All solche Fragen will die Vechtaerin von Christas Familie wisssen. Freundlich lächeln und höflich fragen, ob man nicht störe, das sei schon die halbe Miete beim ersten Kontakt mit dem Auserwählten. So habe man es ihr bei der Schulung gesagt. “Nur wie ich auf Reporter reagieren soll, haben sie nicht gesagt”, sagt sie und lacht.

Helga Gellhaus macht den Job der Zensus-Beauftragten ehrenamtlich. Das ist wie Wahlhelfer. Man wird angeschrieben, ob man das machen möchte und muss gute Gründe für eine Ablehnung finden. Frei gibt es dafür auch nicht. “Das machen wir in unserer Freizeit”, erklärt sie.

Ordnungsgeld möglich

Helga Gellhaus hofft, dass es überall so glatt geht, wie bei Christa. Wer nicht so gut Deutsch könne, werde sicherlich Schwierigkeiten bei der einen oder anderen Frage bekommen. Und dass es jemanden gibt, der partout nicht befragt werden möche, glaubt die Volkszählerin nicht. Und wenn, dann könne er dazu gezwungen werden, zum Beispiel mit einem Ordnungsgeld.

Weitere Infos zur Volkszählung: zensus2011.de

Kommen die Volkszähler auch zu euch? Werdet ihr sie reinlassen?
Nachtrag, 26. Mai 2011: Jetzt war der Zensus auch bei mir. Der nette Herr Kühling aus Lohne hat Fragen gestellt. “Ich mach das in Vechta, weil ich in Lohne alle Leute schon kenne”, sagt Kühling. Er ist “Bürgerpolizist” in der Nachbarstadt.

Komisch wird es, wenn ein zweijähriges Kind befragt wird. Leben Sie in einer Partnerschaft? Welchen Schulabschluss haben Sie? Gehen Sie einer regelmäßigen Tätigkeit nach? Meine Tochter hat immer nur gesagt: “Ich heiße Lisa und bin zwei Jahre alt.”

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15 Responses to “ Die Volkszählerin ”

  1. Georg Rosenbaum via Facebook on 10. Mai 2011 at 16:52

    Unter Internetnutzern im Facebookzeitalter, die ja häufig sehr freimütig jede Menge Daten und Infos im Netz preisgeben, wird es wohl kaum Gegner des Zensus geben. Vor 24 Jahren war das noch anders. Da war es genauso schick, neben der Anti-AKW Sonne auch ein Button gegen die “Volksausfragung” zu heften. Die Anti-AKW Sonne findet man ja mittlerweile wieder recht häufig in den Facebook Profilen. Einen Anti-Zensusbanner hab ich dort bislang noch nicht entdeckt … Wie sich die Zeiten doch geändert haben!

  2. Tasilo on 10. Mai 2011 at 17:11

    Klar, ich würde sie reinlassen. Ich finde die Aktion wichtig – und witzig ;-)

  3. pressesprecher on 10. Mai 2011 at 18:31

    Die Befragungen sind wichtig. Denn ohne entsprechende Datenerhebungen ist es nahezu unmöglich, relativ sicher die Zukunft zu planen und Bedarf und Bedürfnisse zu kalkulieren. Im Unterschied zu sozialen Netzwerken sind die durch befragung erhobenen Daten allerdings relativ sicher. Sollten sich also Menschen über diese Befragung aus Datenschutzgründen ärgern, so sollten sie auch einmal kritisch hinterfragen, welch große Menge an sensibleren Daten sie im Internet tagtäglich hinterlassen. Da sind Fragen nach Wohnungsgröße und Alter nahezu Peanuts. Im Netz ziehen wir uns virtuell datentechnisch inzwischen viel weiter aus. Vielleicht ist auch deshalb kaum noch Widerstand zu spüren. Er wäre ja auch dumm.

    • Anonymous on 15. Mai 2011 at 17:50

      Würde es dann nicht reichen, die Bevölkerung tatsächlich nur zu zählen und gegebenfalls noch Alter und Geschlecht zu ermitteln? Was sollen denn Fragen nach Religion, Weltanschauung etc.? Und wieso wird nach der genauen islamischen Glaubensrichtung gefragt, aber nicht nach der genauen christlichen? Wieso werden bestimmte Gruppen wie z.B. obdachlose deckend befragt? Verfälscht das nicht das Ergebniss? Wieso wird so genau nach dem Migrationshintergrund gefragt? Wieso sind die Umfragen nicht anonym, sondern durch “Ordnungsnummern” noch jahrelang zurückverfolgbar? Wieso werden andere Daten, die man z.B. beim Meldeamt abgegeben hat, zweckentfremdet und ebenfalls der Volkszählung zugeleitet? Bildet euch eigene Meinungen und vertraut nicht blind auf “Pressesprecher”, Massenmedien und staatliche Institutionen!

      • Maik Asbrede on 16. Mai 2011 at 14:18

        & Wieso schreiben sie unter dem Namen Anonymous ?

        • Anonymous on 16. Mai 2011 at 14:50

          Wenn man sich unter dem Namen “Presesprecher” verbergen darf, wo nicht einmal genannt wird, wofür genau er spricht, darf ich mich auch Anonymous nennen. Und Maik, du kennst mich. ^^

          • Vechtaer on 16. Mai 2011 at 17:55

            Der “Pressesprecher ist kein Anonymous, sondern ein Nutzername, der sehr wohl erläutert wird:
            http://adfaergeh.wordpress.com/about/

          • Anonymous on 16. Mai 2011 at 18:12

            Außerdem wäre es sinnlos, sich erst für Anonymität und Datenschutz einzusetzen, und dann auf irgendeiner Internetseite seinen Namen anzugeben. Es reicht zu wissen, dass es auch in Vechta Menschen gibt, die dem ganzen kritisch gegenüberstehen.

    • Anonymous on 16. Mai 2011 at 15:22

      Was für ein Grund! Weil einige Menschen ihre Daten ins Internet stellen, darf man alle erpressen, dass sie dasselbe tun? Wenn ich zu irgendjemanden gehen würde, ihm Fragen stellen und, wenn er sie nicht beantwortet, beklauen oder, in letzter Konsequenz, seiner Freiheit berauben würde, würde man mich ins Gefängnis stecken. Aber zum Glück gilt ja das Gesetz nicht mehr, sobald man ein paar hunderttausend Polizisten hinter sich hat…

  4. NetReaper on 11. Mai 2011 at 12:24

    Auch wer der Datenerhebung des Zensus nicht kritisch gegenüber steht, dem empfehle ich folgende Webseite: http://zensus11.de/
    Denn es ist nicht verkehrt, die eigenen Rechte zu kennen. Zum Beispiel muss ich Niemanden in meine Wohnung lassen. Es reicht die Befragungsbögen in Empfang zu nehmen und auszufüllen. Außerdem ist es nicht verkehrt zu wissen, dass die NPD ihre Mitglieder zur Teilnahme am Zensus als Befrager aufgerufen hat.

    @Georg Rosenbaum
    Der Aktionskreis Vorratsdatenspeicherung ist beim Zensus schon sehr aktiv, und betreibt Aufklärung. Die Webseite zensus11.de stammt von ihnen.

    Was ich in dem Zusammenhang sehr interessant finde: Den Staat lassen die meisten Leute ohne großes murren und knurren ins Haus (bzw. sich ausfragen). Wenn aber Jemand am Haus vorbei fährt und flüchtige Fotos für Internetansichten macht, dann steht das Land Kopf. Wie kann das passieren?

    Ich sehe hier bei Vielen einen verdrehten Datenschutz.

    Gruß
    Sebastian Scho
    Piratenpartei Stammtisch Vechta
    http://wiki.piratenpartei.de/Stammtisch_Vechta

  5. G.Sorg on 13. Mai 2011 at 16:26

    Ist es möglich die Twitter-Kommentare von Thorsten Neuhaus von dieser Seite zu entfernen? In letzten Zeit tauchen hier des öfteren sehr bedenklich Kommentare auf. Aktuell zum Beispiel eine Verlinkung der Homepage des Antisemiten Mathias Bröckers …..ich könnte mir vorstellen, dass das nicht im Sinne dieses Blogs ist.

  6. Christian Tombrägel via Facebook on 27. Mai 2011 at 16:44

    Bernhard Kühling – Volkszähler, Bürgerpolizist, Alleswisser. Viel Spaß und nicht zu viel verraten.

  7. Ralf Clasen via Facebook on 27. Mai 2011 at 18:18

    Kann man die Volkszähler nicht einfach zu Google oder Facebook schicken? Die wissen doch angeblich alles über uns!

  8. Tobias Gerdesmeyer via Facebook on 23. Juni 2011 at 14:28

    Können die Vechtaer denn eigentlich auch zählen…!? :-) )

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