Conny betuppert Vechta

16. Januar 2012
Von vechtablogger
Tuppert sich von Party zu Party: Conny Preiß ist Beraterin für die Plastikschüsseln aus den USA. Foto: Vechtablogger

Tuppert sich von Party zu Party: Conny Preiß ist Beraterin für die Plastikschüsseln aus den USA. Foto: Vechtablogger

Was hört ein Mann, wenn er sich auf eine Tupperparty verirrt? – “Ich habe nur ganz wenig davon.”

Marion sagt das auch. Sie sagt es an diesem Abend insgesamt viermal. Die Runde aus acht Frauen sitzt bei Karin im Wohnzimmer in Vechta. Sie sind alle um die 30 und kommen aus der Nachbarschaft, um Töpfe, Becher, Dosen und Schalen aus Plastik zu kaufen. Aber nicht irgendein Polyethylen, sondern Tupperware, der Mercedes unter den Plastikschüsseln.

Conny Preiß hat den Esszimmertisch mit den neusten Angeboten vollgestellt, ein Turm mit runden Schüsseln sticht hervor. Daneben allerlei Becher, Lappen, Boxen und Töpfe. Conny ist 35 Jahre alt und Tupperberaterin. Damit darf Sie als eine von rund 60.000 Beraterinnen in Deutschland die Tupperware verkaufen. Das Vetriebssystem des Network-Marketing bei Tupper ist bereits mehr als 60 Jahre alt und hat sich im Wesentlichen nicht geändert. Nur wer auf eine Tupperparty geht, bekommt die begehrten Plastikschüsseln. Wer ein Party ausrichtet, dem schenkt Tupper etwas.

Doch bevor Conny den Umsatz ankurbeln kann, muss sie Schüsseln umtauschen. Marion hat einen orangefarbenen Becher mitgebracht. Der ist für Eierstich, sagt sie. Doch leider ist er kaputt. Tupper bietet 30 Jahre Garantie. So alt dürfte in etwa auch die Eierstichschüssel sein. Conny schüttelt mit dem Kopf. “Die gibt es nicht mehr”, bedauert sie. “Ich gebe dir eine Gutschrift.”

Verwechslungsgefahr im Firmenkühlschrank

Auch Tupper geht mit dem Trend. Und da hat Eierstich keinen Platz. Trendig ist der Pasta-Meister, eine eckige Plastikschale mit Deckel für die Mikrowelle. Angesagt ist auch die Salatschüssel mit Halterung für Plastikbesteck und einem Behälter für Dressing, erklärt uns Conny. “Aber passt auf, dass eure Männer nicht zuhause anrufen, weil sie beim Blick in den Firmenkühlschrank nicht wissen, welche Schüssel ihnen gehört.”

Ja, das gibt es wirklich, bestätigt eine Teilnehmerin. Auch ihr Mann habe wegen vieler gleicher Tupperschalen schon mal aus der Mittagspause angerufen und gefragt, was seine Frau ihm mitgegeben habe. Die Runde muss lachen, die Stimmung ist gelöst. Gastgeberin Karin öffnet die zweite Flasche Sekt. “Das macht einfach Spaß”, sagt Francis, die selbst schon mehrfach zu Tupperpartys eingeladen hat.

Brotdose für 11 Euro

Einmal im Jahr müsse das mindestens sein, finden die anderen Frauen. Erstaunlich, weil Tupperware angeblich so gut wie unzerstörbar ist. Und schon beginnt das Fachsimpeln über die legendären Produkte aus Polyethylen, den Teigmacher Peng, der sich mit einem Knall von selbst öffnet, wenn der Teig fertig ist. Oder den kleinen Topfschaber, mit dem die Kinder selbst den letzten Rest Nutella aus dem Glas kratzen können.

Stößchen! Monika, Francis, Marion und Karin trinken auf eine gelungene Tupperparty. Foto: Vechtablogger

Stößchen! Monika, Francis, Marion und Karin trinken auf eine gelungene Tupperparty. Foto: Vechtablogger

“Ich habe auch billigere Sachen, aber die gehen halt früh kaputt”, meint Marion. Deswegen schwöre fast ihre ganze Familie auf Tupperware. Aber rechtfertigt die Qualität auch den Preis? Immerhin kostet eine Pausenbrotdose 11 Euro, eine Käsehaube (, die die Partyteilnehmer geschenkt bekommen) liegt bei 25,90 Euro, der Bratentopf aus Kunstoff bei 139 Euro.

Vielleicht liegt es auch an den Kosten des Vertriebssystems und für Verwaltung, die nach Firmenangaben zwischen 50 und 60 Prozent der Gesamterlöse liegen? Die etwa 60.000 Beraterinnen (es soll auch männliche Tupperberater geben) werden von rund 4000 Gruppenberaterinnen aus 159 regionalen Niederlassungen betreut.

Conny ist seit Mai 2011 dabei. Zuerst hat sie ihren Bekanntenkreis mit Tupperpartys beglückt, inzwischen hat sich das rumgesprochen. “Ich habe viele Leute hier oben kennengelernt”, sagt die 35-Jährige, die vor vier Jahren aus Mittelfranken nach Wildeshausen kam. Am Anfang musste sie erst ein Starterset im Wert von rund 250 Euro verkaufen. Dafür gab es keine Provision. “Abtuppern” nennt Conny das. Das Abtuppern hat sie hinter sich, jetzt gibt es Provision. Wie viel, verrät sie nicht. Das Tuppern ist aber ein Nebenjob, mehr nicht.

Omelett-Meister ist der Renner

Connys Renner an diesem Abend wir der Omelett-Meister, eine Plastikschüssel, mit der man Rührei in der Mikrowelle machen kann. “Das kann sogar mein Mann”, frohlockt Francis und schreibt die Bestellnummer für das 12,90 Euro teure Plastikteil auf den Bestellzettel. Den Omelett-Meister verkauft Conny viermal. “Den Rest haben die meisten ja schon”, sucht Marion eine Erklärung.

Sie selbst natürlich ausgenommen. “Ich habe wirklich nicht viel”, sagt sie zum und beginnt mit der Aufzählung: Ultraplus Bräter, Micro Plus, Schäler, Rührschüssel, Reiben, Salatschleuder, Prima Klima, Teigrolle, Allesschneider, Gefrierboxen, Aufschnittboxen, Snacky, Thermo, Junge Welle.

Sie lacht. “Es ist doch mehr als ich dachte.”

Seid ihr schonmal auf Tupper-, Putz- oder gar Dildopartys gewesen? Schreibt eure Erlebnisse in die Kommentare!

Wart ihr schonmal auf einer Verkaufsparty?

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7 Responses to “ Conny betuppert Vechta ”

  1. Florian Schmedes via Facebook on 16. Januar 2012 at 13:30

    Ach, die ganzen “Kühler” Mädels ;-)

  2. Bernd Wegener via Facebook on 16. Januar 2012 at 14:04

    Endlich erfährt Mann mal den Vorgang dieser geheimnisvollen Tupperparties :-)

  3. Alex de Vos via Facebook on 16. Januar 2012 at 15:55

    die dinger sind super und lebenslange garantie!!hab von meiner mutter schüsseln umgetauscht, die waren 30 jahre alt–prima sache

  4. Maik Asbrede via Facebook on 30. März 2012 at 13:32

    Ganz schön stillgeworden im Vechtablog. Stefan, willst du die Arbeit vielleicht mal an ein paar junge Leute ausleihen ?
    Marin und ich hätten wohl Lust :-)

  5. vechtablog.de via Facebook on 30. März 2012 at 14:27

    Maik, das hatte ich Marin und dir immer wieder angeboten.Gekommen ist bisher leider nichts. Für gute Ideen bin ich immer zu haben.

  6. Maik Asbrede via Facebook on 30. März 2012 at 14:49

    Oh, dann werden wir das schleunigst nachholen !

  7. Conny Preiß on 26. April 2012 at 21:40

    falls noch jemand einen Job sucht, oder gern mal ein 13-wöchiges Praktikum bei Tupperware machen möchte, kann sich gerne bei mir melden…

    kurze Info noch für Stefan, ich bin mittlerweile Gruppenberaterin und habe mein Tupperauto daheim stehen… LG und Danke für den Beitrag hier, der ist toll!!!

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